Tales of a Sailor – Hans‘ September/Oktober

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Also gut, hiermit beginne also jetzt auch ich, meine Erfahrungen an dieser Stelle zu teilen. Zu erzählen wäre ja weiß Gott genug.

Fangen wir also im September an, mit dem Channel Islands Törn von Dielette (F) zu den Kanalinseln. Mitte September ging’s per Flug nach Paris und von dort per Leihwagen nach Dielette, an der W-Küste der Cotentin-Halbinsel, mit Sark, Guernsey und Alderney in Sichtweite. Unser unglaublicher Vercharterer – den Namen lasse ich besser weg – hat sicherheitshalber das Bettzeug vergessen, also rasch zum nächsten „Super-U“ (französische Supermarktkette) und Bettzeug kaufen, dann „Moule Frittes“ im Marinarestaurant, das dafür zu Recht weithin bekannt ist, und am nächsten Tag bis 1500 auf das Auslaufen warten, bei 10 m Tidenhub geht halt nicht immer alles sofort, noch dazu, wenn man nicht schon um 0900 auslaufen kann/will. Die anfänglichen Schwierigkeiten werden durch ein ganz passables Boot (SO 44i Performance), überaus passables Wetter – nur 1 Tag mit 3 Stunden Regen, förmlich Dürre für diese Gegend um diese Zeit, und das bei Temperaturen um die 20° tagsüber – und die durchaus akzeptablen kulinarischen Genüsse mehr als wettgemacht.

Dazu ein kleiner Tip: Es zahlt sich immer wieder aus, Einheimische nach Empfehlungen zu fragen. Selbst hätten wir das „Bistro Rosa“, einen Portugiesen in St. Helier/Jersey, wohl niemals gefunden. Das Seafood dort war wirklich allerfeinst, die Fischsuppe rangiert im absoluten Spitzenfeld.

Über die Preise reden wir besser nicht, auf den Kanalinseln ist Geld generell abgeschafft. Die Liegeplätze in den Marinas sind dagegen einigermaßen erschwinglich, 34 GBP / Nacht sind angesichts der Infrastruktur und im Vergleich zu so manchem Mittelmeerhafen durchaus akzeptabel.

800 Autobahnkilometer und 165 sm später wieder in Wien gelandet, ein paar Tage mit Büroarbeit und Website-Umbau verbracht, am 1.10. wieder nach Izola zur BUTTERFLY gefahren, an der Elektronik weitergebaut, neue Leinen, Fallen und Schoten eingeschoren, neues Großsegel ab- und wieder angeschlagen, und am 2.10. wieder zurück nach Wien, locker weitere 1.100 km abgespult.

Am 5.10. (Donnerstag) wieder nach Izola, ab 6.10. dann 3 Tage Hafenmanöver Training mit 3 Damen, alle sehr wissbegierig und mit viel Elan bei der Sache, auch bei anfangs eher bescheidenem Wetter und durchaus knackigen 5 bft im Hafen.

Damit eine fundamentale Einsicht: Bei meinen bisher einigen hundert Trainingstagen auf See hat sich deutlich gezeigt, dass weibliche Teilnehmer durchaus bemerkenswertes Gefühl für Controls (Ruder, Gashebel) eines Bootes entwickeln, wenn sie nur „dran gelassen“ werden. Vor allem aber neigen die Damen deutlich weniger als die Herren dazu, ein offensichtlich schief laufendes Manöver um jeden Preis und bis zum wahrhaft bitteren Ende „durchzuziehen“. Die Gründe dafür zu beleuchten ginge hier zu weit, wohl aber tut der geneigte Leser dieser Zeilen gut daran, daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Hafenkino ist ja super, solange man nicht selbst der Hauptdarsteller ist.

Gleich anschließend am Montag ging es mit der BUTTERFLY von Izola via Umag nach Sukosan, alles bei bis zu 6 bft Jugo gegenan, trotzdem die 120 sm in knapp 35 Stunden mit 2 Stunden Regenpause in der Zapuntel abgesegelt. Die A40 geht mit dem neuen Groß und selbst mit der alten Rollgenua wirklich gut, mit innen geschoteter Genua knapp 70 ° Wendewinkel sind auch OK.

Am Weg ergab sich wieder einiges Berichtenswertes:

Hinweis: Der nette Hafenkapitän von Umag hat nicht umhin gekonnt, den größten Teil seiner Amtshandlung darauf zu verwenden, auf die bevorstehende Anhebung der „Kurtaxe“ für Boote ab 2.1.2018 hinzuweisen. Die neue Preisliste ist wirklich kein Spaß, die Preise erhöhen sich um das 2 bis 5 (!) fache. In „unserer“ Klasse (8 – 12 m) zahlen wir für 1 Woche jetzt 200 KN, dann 400 KN, für 1 Jahr jetzt 1100 KN, dann 5700 KN. Die Anhebung in dieser Höhe ist offenbar noch nicht fix, trotzdem ist es eine Überlegung wert, die Kurtaxe für 2018 noch vor dem 1.1. zu entrichten, um die Ersparnis geht sich u.U. mehr als ein fürstliches Abendessen aus.

Übrigens hat der nette Hafenkapitän von Umag auch gemeint, dass derzeit alle möglichen Institutionen europaweit gegen diese Anhebung in Zagreb Petitionen einbringen. Ich hoffe, unsere „Interessenvertretungen“ (Yachtclubs und Verbände) engagieren sich hier auch entsprechend.

Die Adria lebt noch, von Rovinj bis vor die Einfahrt von Losinj sind wir von einer Delphin-Schule verfolgt worden. Nächtens war zwar meistens nur das Platschen und der Blas der Tiere zu hören, im Morgengrauen hat sich dann herausgestellt, dass es jedenfalls mehr als 10 Tiere waren, die uns durch die Nacht begleitet haben.

Vor Vrsar haben wir eine nette kleine Front passiert, an deren markantem Wolkenband sich bis zu 5 Tornados gebildet haben, einer genau vor uns. Am Tag bei guter Sicht sind die leicht auszumanövrieren, bei Nacht schaut die Sache schon anders aus.

Hinweis: Deshalb sollte in der Nacht alles an Deck klar zum Bergen/Reffen sein, besonders bei labilen Wetterverhältnissen. Dazu gehört, dass man insbesondere Fallen und Strecker (z.B. Tack-Line des Gennaker) so aufschießt, dass das Segel in max. 90 Sek. geborgen werden kann. So viel Zeit vergeht üblicherweise zwischen der ersten Bö und dem, was dann folgt. Also verbringen wir einige Zeit beim Training zu unseren Train & Race Veranstaltungen damit, die Segel in möglichst noch kürzerer Zeit zu bergen/reffen.

Unterwegs ist dann noch der „professionelle“ Augspleiss des obersten Lazy-Jacks auf der Bb-Seite unseres neuen Lazy-Bags abgefallen, was wieder beweist, dass es auf See nicht genügt, einfach das umgeschlagene Ende einer Leine mit Klebeband und Kabelbinder zusammenzufriemeln. Also sind wir ab etwa der Höhe von Novigrad ohne Lazy-Bag gefahren, was beim Segeln eh keiner braucht. Beim Reffen aber schon, wenn nämlich der geneigte Segelmacher eingedenk des Umstandes, dass es eh ein Lazy-Bag gibt – auf die Anbringung von Kauschen für Reffbändsel großzügig verzichtet. Spätestens im 2. Reff wird man so nämlich vom losen Tuch im Cockpit erschlagen. Daher:

Tip: Wenn Du Dir ein Großsegel für Bindereff bauen lässt, lass Dir die Kauschen für die Reffbändsel nicht ausreden.

Schließlich in der wahrhaft unglaublichen Marina Dalmatia in Sukosan angekommen. Wir liegen an Pier 16, der Ausgang der Marina ist bei Pier 27, das ist rund 1 km von einander entfernt. Der Weg in’s – durchaus beeindruckende – Marina Office wird da zu einer kleinen Wanderung.

Logistisch ist die Situation jetzt die, dass mein Auto in Izola steht, das Boot in Sukosan, und ich mit dem Leihwagen in Wien bin. Aber nur bis Samstag, dann geht es nach Hamble für 6 Tage FB2 Prüfungstörn im Auftrag von Godspeed. Heinz ist schon dort und macht bis Sonntag Gezeitentraining. Am Freitag geht es dann für mich mit der letzten Maschine wieder zurück nach Wien, und am Samstag weiter nach Sukosan zur BUTTERFLY, ab 22. haben wir Train & Race zum Round Long Island Race, auf das freu ich mich schon sehr.

Aber das wird schon die nächste Geschichte, bis dahin

fair winds
Hans

Eine Antwort

  1. eva
    | Antworten

    waren doch aber über 10 Windhosen 😉 !!!!

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